Beinlängendifferenz, Beckenschiefstand
Beinlängenunterschiede zeigen sich bei fast einem Drittel der Menschen. Sie sind jedoch erst ab einem Ausmaß von über 0.5 cm im Kindesalter und über 1 cm im Erwachsenenalter behandlungsbedürftig. Die Ursachen können idiopathisch (ungeklärt), posttraumatisch (z.B. Wachstumsfugenschädigung) oder in Verbindung mit einer Grunderkrankung (angeborenen Fehlbildungen) vorliegen. Auch können Beinlängendifferenzen im Rahmen von Gelenkserkrankungen (z.B. M. Perthes) oder funktionell bei Gelenksbeweglichkeitseinschränkungen vorkommen.
Definition
Als Beinlängendifferenz wird in der Medizin der mögliche Längenunterschied der Beine, also der unteren Extremität von Hüfte bis Fuß, bezeichnet. Kleinere Unterschiede sind nicht behandlungsbedürftig, da die meisten Menschen geringe asymptomatische Beinlängendifferenzen aufzeigen. Erst ab einer Differenz von 7–10 mm sollte eine Therapie erwogen werden. Beinlängendifferenzen bei Kindern müssen beobachtet und unter Umständen behandelt werden; oft verschwinden diese aber im Laufe des weiteren Wachstums.
Grundsätzlich kann zwischen einer anatomischen und einer funktionellen Beinlängendifferenz unterschieden werden.
Ein Beckenschiefstand ergibt sich meistens aus einer Beinlängendifferenz. Auf der längeren Beinseite steht das Becken höher. Durch den Beckenschiefstand kommt es zu einer mehr oder weniger schwerwiegenden Skoliose, das heißt einer Seitwärtskrümmung der Wirbelsäule.
Ursachen
Anatomische Beinlängendifferenz
Echte Beinlängendifferenz infolge seitendifferenter Länge von Oberschenkel und/oder Unterschenkel. Mögliche Ursachen sind:
- Manchmal nach einer Hüft-TEP-OP (künstliches Hüftgelenk)
- Angeboren: z. B. Klumpfuß, angeborene Hüftluxation, Coxa vara
- Infektionsbedingt: Osteomyelitis, septische Koxitis
- Lähmungsbedingt: Infantile Zerebralparese, Poliomyelitis
- Traumatisch: als Folge nach Knochenbrüchen, Verletzungen der Epiphysenfuge
- Tumorbedingt
- Sonstige: z. B. Beinfehlstellung (X-Bein, O-Bein), Hüftkopfnekrose, Morbus Perthes
Funktionelle Beinlängendifferenz
Ohne anatomische Längendifferenz aufgrund von:
- Arthrotischen Hüftgelenken
- Kontrakturen in der Hüfte (vermehrte Beugung, Adduktion oder Abduktion)
- Kontrakturen im Knie
- Spitzfuß
Langzeitfolgen
Da die Beine die Basis unserer Statik darstellen, kann eine große Beinlängendifferenz Veränderungen in der Körperhaltung beziehungsweise in der Wirbelsäule hervorrufen, aber auch einen sekundären Spitzfuß nach sich ziehen. Durch den Beckenschiefstand kommt es zu einer mehr oder weniger schwerwiegenden Skoliose, das heißt einer Seitwärtskrümmung der Wirbelsäule.
Der menschliche Körper hat zwar Kompensationsmöglichkeiten, dennoch sind bei zu großen Beinlängendifferenzen meist schmerzhafte Veränderungen die Folge. Die Kompensation kann auf zwei Arten erfolgen:
- Tip-Toeing: Durch Gehen auf den Zehenspitzen des kürzeren Beines wird der Einfluss verringert (viele Frauen praktizieren dies sogar mit Pumps).
- Schuherhöhungen
Konventionelle Therapie
Je nach Längenunterschied der Beine:
- Orthopädische Schuhzurichtung (Absatzerhöhung mit Sohlenausgleich und Schuheinlagen)
- Orthopädische Maßschuhe bzw. Maßschuhe mit Innenschuhen oder Fußbettungsorthesen
- Etagenschuhe oder orthopädietechnische Beinorthesen
- In Extremfällen und bei entsprechender ärztlicher Indikation auch operativ
kybun Wirkungsprinzip – Proaktiv handeln
Auf dem weich-elastischen Material der kyBoot-Sohle / des kyBounder werden die Schläge beim Gehen auf hartem Untergrund (z. B. Teer) angenehm gedämpft. Besonders bei Gelenk- oder Weichteilschmerzen ist dies entlastend und ermöglicht den Betroffenen ein schonendes Gehen.
Da sich der Fuß frei in alle Richtungen bewegen kann, wird die tiefe, stabilisierende Fußmuskulatur aufgebaut. Die Füße werden kräftiger und können dadurch die Kräfte (z. B. beim Gehen / Joggen) besser abfangen und somit die darüber liegenden Gelenke vor Überlastung und Abnutzung schützen.
Der ganze Körper wird durch das instabile Gehen im kyBoot / Stehen auf dem kyBounder gestärkt. Die Stabilität der Gelenke und die Körperhaltung werden automatisch verbessert. Durch eine aufrechte Körperhaltung werden die Gelenke wiederum geschont und Schmerzen nehmen ab.
Durch die positive Wirkung des kyBoot auf die Körperhaltung und das natürliche Abrollen werden verspannte Muskeln gelöst (z. B. Rückenverspannungen) und dadurch das Wohlbefinden deutlich verbessert.
Der kyBoot kann durch die weich-elastische Sohle eine Beinlängendifferenz bis zu einem gewissen Grad ausgleichen (bis ca. 1 cm). Bei größerer Beinlängendifferenz gibt es verschiedene Varianten als Maßnahmen, um den kyBoot an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Erstreaktionen
Spezifische Erstreaktionen bei einer Beinlängendifferenz:
Auf dem beweglichen kyBounder-Material / der kyBoot-Sohle verändert sich Ihre Körperhaltung. Bei einer mehr oder weniger großen Beinlängendifferenz oder nach jahrelangem Tragen von orthopädischen Spezialschuhen oder Schuheinlagen kann die Statikveränderung des Körpers im kyBoot / auf dem kyBounder anfangs Reaktionen wie z. B. Ziehen, Schmerzen oder Müdigkeit hervorrufen. Lassen Sie Ihrem Körper Zeit, sich an das neue Gehen im kyBoot zu gewöhnen.
Für allgemeine Erstreaktionen bei kyBounder- und kyBoot-Neueinsteigern klicken Sie hier: Erstreaktionen
kybun-Übungen
Für Informationen zu den kyBoot Spezialübungen und den kyBounder Grundübungen klicken Sie bitte hier: kybun Übungen
Folgende Anpassungen der Standarddurchführung des Intervall Walkings sind bei Beckenschiefstand wichtig:
Anatomischer Beckenschiefstand:
- Möglichst im Voraus (vor dem Intervall Walking) nach einer Lösung suchen: Bei einer Differenz bis zu 1 cm könnte die Differenz durch das weich-elastische Material ausgeglichen werden; wenn die Differenz größer ist, muss man dies mit kybun absprechen.
- Blickrichtung immer geradeaus halten (bessere Haltung).
- Bei langsamer Übung sich vorstellen, dass ein Faden am Kopf befestigt ist und dieser nach oben zieht (Oberkörperaufrichtung).
- Bei schneller Übung: Hände vor dem Bauch verschließen (stärkere Rotationen in Hüfte, Rücken und Schulter).
Funktioneller Beckenschiefstand:
- Bei schneller Übung: Hände vor dem Bauch verschließen (stärkere Rotationen in Hüfte, Rücken und Schulter, damit die Beckenhaltung möglichst bewusst verändert wird).
- Beide Übungen durchführen mit Fokus auf die Wechsel (langfristig: Muskulatur muss sich an neue Haltung anpassen; Blickrichtung immer geradeaus).
- Bei langsamer Übung sich vorstellen, dass ein Faden am Kopf befestigt ist und dieser nach oben zieht (Oberkörperaufrichtung).
Anwendungstipps
- Keine zu langen Schritte machen.
- Alltag/Freizeit: Möglichst viel im kyBoot laufen oder kyBounder benutzen. Ermüdung beachten > kybun-Übungen regelmäßig machen und wenn nötig kurze Pausen einlegen.
- Aufrechter Gang beachten.
- Job: Möglichst wenig sitzen. Anfangs Sitzen und Stehen abwechseln und Ersatzschuhe zum Wechseln mitnehmen.
- Wenn Sie sich im kyBoot auch nach einer Testrunde unsicher/zu wackelig fühlen, empfehlen wir Ihnen ein kyBoot-Modell der 2. Generation. Diese Modelle haben im Mittelfußbereich eine etwas breitere Sohle, was mehr Stabilität verleiht. Lassen Sie sich von den kyBoot-Fachleuten vor Ort beraten.
- Wenn auch das 2. Generations-kyBoot-Modell Ihnen zu instabil ist, raten wir zum kyBounder. Hier können Sie die Dicke wählen, bei der Sie sich wohlfühlen (je dicker, desto instabiler, desto trainingsintensiver). Sie können eine Beinlängendifferenz einfach ausgleichen, indem Sie rechts bzw. links auf eine andere kyBounder-Dicke stehen. Zusätzlich kann man sich an einem festen Gegenstand festhalten, was mehr Sicherheit verleiht.
- Wenn Sie im kyBoot oder auf dem kyBounder Erstreaktionen wie zum Beispiel Rückenschmerzen bekommen oder sich Ihre bekannten Rückenschmerzen verstärken, kann dies mehrere Gründe haben (z. B. verspannte Muskulatur, ungewohnte Bewegungen für den Rücken). Der Körper sollte bei angepasster Dosierung (Tragedauer schrittweise steigern) fortlaufend weniger Erstreaktionen zeigen und die Tragedauer kann gesteigert werden.
- Falls Sie sich trotz der Anwendungstipps im kyBoot nicht wohlfühlen, raten wir Ihnen, einen örtlichen Händler Ihrer Wahl aufzusuchen, um Ihre Situation mit ihm zu besprechen.